Aduno Gruppe wird zur Viseca

Die Aussichten für 2020 haben sich aufgrund von COVID-19 eingetrübt. Sowohl Umsatz wie auch Konzernergebnis der Aduno Gruppe liegen per 30. Juni deutlich unter dem Vorjahreswert. Erfreulich entwickelte sich demgegenüber der Kartenbestand, der mit etwas mehr als 1.7 Millionen Zahlkarten einen neuen Höchststand erreichte. Im Rahmen der strategischen Fokussierung auf das Kartengeschäft wurde die Aduno Holding per 18. Juni 2020 auf Viseca Holding umfirmiert. In der zweiten Jahreshälfte folgt die geplante Aufteilung des Unternehmens in eine Issuing- und eine Processing-Gesellschaft. Damit ist Viseca ideal aufgestellt, um von der fortschreitenden Digitalisierung im Zahlmarkt zu profitieren.

Das erste Halbjahr 2020 stand ganz im Zeichen der Coronavirus-Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen. Entsprechend enttäuschend fällt der Rückblick aus. Der konsolidierte Umsatz der Viseca ging im Vergleich zur Vorjahresperiode um 32.4 Prozent von CHF 281.3 Mio. auf CHF 190.2 Mio. zurück. Das entspricht einem Rückgang um CHF 91.1 Mio, wobei CHF 50.3 Mio. auf den Verkauf der cashgate AG entfallen. Der Rückgang im Kartengeschäft machte sich in allen Bereichen bemerkbar: Der Kommissionsertrag sank um 26.6 Prozent, die Jahresgebühren um 1.1 Prozent und die übrigen Erträge um 31.1 Prozent. Der Zinsertrag ging ebenfalls zurück, und zwar um 71.9 Prozent, dies allerdings aufgrund des besagten Verkaufs der cashgate AG. Das ordentliche Ergebnis liegt per 30. Juni 2020 bei CHF -11.7 Mio. gegenüber CHF 45.3 Mio. im Vorjahr.

Geschäft leidet unter COVID-19

Der Transaktionsumsatz beläuft sich für das erste Halbjahr 2020 auf CHF 4'516 Mio. Das entspricht einer Reduktion um 12.9 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode (CHF 5'187 Mio.). Im Ausland ging der Transaktionsumsatz aufgrund des Lockdowns um 31.4 Prozent zurück. Dieser Rückgang ist grösstenteils auf die substanzielle Abnahme von mehr als 50 Prozent in den Bereichen Tourismus und Unterhaltung zurückzuführen. Der Rückgang wurde teilweise durch eine leichte Zunahme um 2.5 Prozent im Inland-Geschäft kompensiert. Insbesondere der Retail-Bereich legte im Heimmarkt mit mehr als 25 Prozent stark zu. Hier machte sich die von Issuern, Acquirern und Händlern im April beschlossene Erhöhung der Limite für kontaktloses Bezahlen ohne PIN von CHF 40 auf CHF 80 bemerkbar. Die anhaltende Bargeldsubstitution erhielt dadurch einen deutlichen Schub.

Als Konsequenz der Coronavirus-Pandemie und des damit einhergehenden Rückgangs sank das Konzernergebnis der Viseca im ersten Halbjahr 2020 auf CHF -11.8 Mio. (2019: CHF 34.3 Mio, davon CHF 8.5 Mio. aus der ehemaligen Tochter cashgate). Diese Entwicklung macht eine Adjustierung der Planung für das laufende Jahr notwendig. Zudem ist aufgrund von COVID-19 ein Wertberichtigungsbedarf auf den immateriellen Anlagen in der Höhe von CHF 1.5 Mio. entstanden.

Zur Jahresmitte 2020 beschäftigte die Viseca 742 Mitarbeitende (Vollzeitäquivalente). Im Vorjahr waren es per 30. Juni 913 Mitarbeitende. Der Rückgang ist grösstenteils auf den Verkauf der cashgate AG per 2. September 2019 an die Cembra Money Bank AG zurückzuführen. Das Eigenkapital bewegt sich mit CHF 582.9 Mio. nach wie vor auf sehr hohem Niveau. Dies entspricht einer Eigenkapitalquote von 43.4 Prozent.

Kartenbestand wächst weiter

Der Kartenbestand belief sich per 30. Juni 2020 auf etwas über 1.7 Millionen Karten, was einer Zunahme von 6.0 Prozent gegenüber dem Vorjahresbestand entspricht. Dazu trug unter anderem die angelaufene und bisher sehr erfolgreiche Migration der myOne Kundenkarte zur Manor World Mastercard® bei. Mit der Lancierung dieser attraktiven neuen Gratis-Zahlkarte mit Treueprogramm konnten wir nicht nur unser Kartenportfolio deutlich erweitern. Wir erschliessen damit auch den wichtigen Detailhandel als zweites Standbein neben den Kundenbanken. Über das dafür nötige Know-how verfügen wir dank der vollständigen Akquisition der Accarda AG im 2018.

Daneben haben sich auch im ersten Halbjahr 2020 verschiedene Kundenbanken für eine Debit Mastercard® oder Mastercard Flex® von Viseca entschieden. In den kommenden Monaten folgen weitere Kundenbanken.

Aussichten sind durchmischt

Schweizer Konsumenten zeigten sich nach der Lockerung des Lockdowns überdurchschnittlich ausgabenfreudig, was sich in einem deutlichen Umsatzanstieg niederschlug. Ab Mitte Juni machte sich zudem eine Verbesserung im Geschäft innerhalb des Euro-Raums bemerkbar, allerdings nach wie vor unter Vorjahr. Ausserhalb Europas ist eine Erholung bisher allerdings ausgeblieben. Dies dürfte sich in den kommenden Monaten auch nicht massgeblich ändern. Das Jahresresultat wird deutlich unter dem des Vorjahres liegen.

Hingegen profitierte das inländische Kartengeschäft aufgrund des Lockdowns von einer beschleunigten Verlagerung des Präsenzgeschäfts hin zum E-Commerce. Dieser Trend dürfte sich in der zweiten Hälfte 2020 und darüber hinaus fortsetzen. Hier zeigt sich, dass die Viseca mit der Fokussierung des Unternehmens auf das Kartengeschäft – und das bargeldlose Bezahlen schlechthin – die richtigen Schritte eingeleitet hat, um künftig von diesen Entwicklungen zu profitieren. In diesem Kontext ist auch die für den Beginn des vierten Quartals 2020 geplante Aufteilung in eine Issuing- und eine Processing-Gesellschaft zu sehen. Auf dem Weg dorthin haben wir per 18. Juni 2020 die Aduno Holding in Viseca Holding umfirmiert. Damit stärken wir Viseca als Marke. Und wir haben im Rahmen zweier Fusionen die Accarda AG und die Aduno Finance AG in die Viseca Card Services SA integriert.

Transformation schreitet voran

Auch im für uns zentralen Bereich der Digitalisierung konnten wir im ersten Halbjahr 2020 erneut Meilensteine erreichen. Im März haben wir Google Pay eingeführt. Damit unterstützt Viseca alle heute gängigen Mobile-Payment-Lösungen und bietet das kompletteste Angebot für digitale Bezahllösungen in der Schweiz. Zudem haben wir per 1. August 2020 die Funktion des CIO geschaffen. Damit stellen wir unsere Organisation im Bereich Operations breiter auf und verschaffen der IT das nötige Gewicht sowie eine eigene Vertretung in der Geschäftsleitung.

Wir sind überzeugt, dass Viseca dank der Transformation von einem traditionellen Kartenherausgeber hin zu einem digitalen, auf bargeldloses Bezahlen spezialisierten FinTech-Unternehmen ideal für die Zukunft aufgestellt ist. Unseren Kunden ermöglichen wir, von den Veränderungen am Markt zu profitieren. Und Viseca kann dank innovativer Produkte und Dienstleistungen sowie einer nach wie vor soliden Eigenkapitalquote die Chancen des Marktes wahrnehmen sowie auf unvorhersehbare Ereignisse wie COVID-19 reagieren.

Umsatzvolumen Issuing

[Mrd. CHF]

Kartentransaktionen

[Mio. Anzahl]